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Selbstheilung ist Versöhnung mit sich selbst

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schau an 20 04 2018

Die Hütte
Ein Wochenende mit Gott

Dieser Film ist wahrlich ein Drama, das garantiert die Opferung mindestens einer Packung Taschentücher erforderlich macht. Dem Zuseher wird eine nicht authentische heile Welt gezeigt, die sich letztlich immer als eine Selbsttäuschung herausstellt. Die über allem schwebende Frage lautet: „Wie kann es sein, dass Gott die Menschen liebt und trotzdem so viel Leid und Unrecht auf der Erde geschieht?“ Eine hinreichende Antwort muss sich der Zuseher selbst erarbeiten. Die Antwort würde lauten: Vergebung! Um sich selbst und dem eigenen Vater vergeben zu können musste erst die Jüngste aus der Familie genommen werden und es musste noch dazu ein schwerer Unfall geschehen.

Genre: Drama
Erscheinung: 1. Mai 2011 (D)
Regie: Stuart Hazeldine
Musik: Aaron Zigman
Autor: William P. Young
Drehbuch: John Fusco, Destin Daniel Cretton, Andrew Lanham

Trailer:
Interpretation:

Auch diese Geschichte beruht auf wahre Begebenheiten. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Bibelbund die Verfilmung des Bestsellers „Die Hütte“ von William Paul Young kritisiert. Es fehle das zentrale Elemente der Sündenvergebung. Ich würde sagen, dass sich der Bibelbund den Film dann wohl nicht vollständig angesehen hat.

Von dem Familienvater Mackenzie Allen Philips (Sam Worthington) wird nach dem Tod seiner Tochter Missy (Amelie Eve) verlangt, dass er nicht urteilt, da es ihm nicht zustehen würde über das Geschehene urteilen zu können. Es wird von ihm sogar verlangt dem vermeintlichen Mörder zu vergeben.

Da der Film sehr langatmig wirkt, ist man oftmals dazu verleitet etwas nebenbei zu tun. Davon sollte man jedoch die Finger lassen. Während des Films darf man keine Minute verpassen, sonst weiß man nicht auf welcher Ebene sich augenblickliche Szenen abspielen.

Zuerst befinden wir uns im Jetzt, dann in der Vergangenheit und später stellt sich heraus, dass letztlich doch alles nur ein Traum war. Aber dieser Traum fühlte sich sehr real an. So wird es im Film jedenfalls vermittelt. Und wir wissen ja, die Kraft der Vorstellung ist grenzenlos. Alles ist möglich, wenn wir die Augen geschlossen haben.

Ich würde mich nicht darüber wundern, wenn der Vater der ermordeten Tochter wegen des nicht verwundenen Verlustes Prostata- oder Hodenkrebs bekäme. Das würde eher zur Geschichte passen.

Schön zu beobachten war, dass es dem Vater offenbar klar geworden sein musste, wie blind er gegenüber den Familienmitgliedern gegenüber war, als er im Selbstmitleid versank.

Im ersten Satz habe ich den Begriff Opferung nicht umsonst gewählt. Weil der Vater seiner später ermordeten Tochter eine Geschichte erzählt hatte, bei der einem schon der kalte Schauer den Rücken herunter fährt. Die Familie (Vater, zwei Töchter und der Sohn) waren auf dem Weg zu einem Campingplatz und besuchten zwischendurch einen Wasserfall, da fragte die Jüngste, ob der Vater ihr die Geschichte zu dem Wasserfall erzählen könnte. Es ist eine alte Geschichte in der ein halber Indianer-Stamm erkrankt gewesen sein soll. Die Häuptlingstochter soll sich dazu entschlossen haben sich zum Wohle des Stammes zu opfern und soll sich an der Stelle des Wasserfalles in die Tiefe gestürzt haben. Aufgrund dieses Opfers soll der Stamm dann wieder genesen sein. Weil der Stamm und der Häuptling dennoch so sehr um die Selbstopferung der Tochter getrauert haben und Gott darum gebeten haben, sie wieder zurück kehren zu lassen, ließ Gott an der Stelle einen Wasserfall entstehen.

Darauf dachte ich nur: „Wie kann man einem Kind von vielleicht fünf Jahren solch eine Geschichte erzählen? Solche Geschichten wirken wie ein Fluch oder wie ein selbst laufendes Programm. Nun gut, das war ja nur eine Geschichte.“

Die Familie kommt anschließend auf dem Campingplatz an und die Kinder beschäftigen sich mit Dingen, die ihnen gefallen. Dann geschieht zunächst ein kleines Unglück. Die beiden großen Kinder waren auf dem See mit einem Kajak unterwegs und die Große wollte dem Vater zeigen und rief ihm vom Wasser aus zu, wie gut sie im Boot stehen könne. Darauf kenterte das Boot. Der Sohn, also das mittlere Kind verfing sich unter dem Boot und konnte sich nicht selbst befreien. Der Vater und andere Umstehende eilen ins Wasser, um den Jungen aus der bedrohlichen Situation zu befreien. Das gelang schließlich mit Müh und Not. Als sie wieder zu ihrem Wohnwagen zurückkehrten mussten sie das große Unglück erkennen. Die Jüngste war nicht mehr da. Man alarmierte Polizei und Feuerwehr. Doch das Mädchen wurde nicht gefunden. Der Sheriff berichtete zudem von einem Serienmörder, der in der Gegend umherstreifen soll. Man würde jedoch das Beste geben, um die Kleine zu finden. Gefunden hatte man eine verfallene Holzhütte, in der das mit Blut verschmierte rote Kleidchen der Tochter lag. Natürlich ist das für einen Vater nicht zu ertragen.

Später findet Mack einen Brief in seinem Briefkasten, mit dem mehrdeutigen Absender „Papa“. Da zu dieser Zeit viel Schnee gelegen hatte, müsste man Fußspuren zum Briefkasten sehen. Es waren aber keine zu sehen. Könnte der Absender sein Vater sein, der Mörder der Tochter, oder vielleicht Gott, der sich mit ihm in der Hütte verabreden möchte? Bei der örtlichen Poststelle wusste auch niemand von einem solchen Brief. Der Inhalt rief Mack dazu auf sich in der verfallenen Hütte zu treffen. Mack dachte natürlich daran, dass der Täter ihn hereinlegen wollte. Aber nein, er beschloss zur Hütte zu fahren. Da seine Frau mit dem Auto und den Kindern weggefahren war, lieh er sich das Auto vom Nachbarn, der zunächst mitkommen sollte. Es sollte ein Anglerwochenende werden. Dann fuhr Mack aber doch ganz plötzlich alleine mit dem Auto los und ließ den Nachbarn stehen. Auf dem Weg hatte er einen „Beinahe“-Zusammenstoß, der sich am Ende des Filmes als ein schwerer Unfall herausstellt. Das Auto drehte sich und Mack glaubte, noch einmal Glück gehabt zu haben. Er fuhr weiter zur Hütte.

Dort angekommen begegnet Mackenzie Jesus (Avraham Aviv Alush) als holzsammelnde arabisch wirkende Frohnatur mit dem er später auch übers Wasser gehen wird. Dann trifft Mack auf Gott in Form einer runden, lebenslustigen Afroamerikanerin, die ihm die eine oder andere Lebensweisheit beizubringen versucht. In der Dreieinigkeit fehlte jedoch noch eine Figur. Genau, der Heilige Geist wird mit der Japanerin Sumire Matsubara besetzt. So haben wir hier die Trinität vollendet. Aufmerksame Leser wissen es bereits. Die Trinität ist ein Aspekt, der auf das Gefangensein in der Matrix hindeutet.

Ich muss es wohl niemandem erklären, dass sich dieses Bild nur in einem gottesfürchtigen und christlich geprägten Lebenskonzept stimmig anfühlen kann. Wenn der Zuseher dem Bild entspricht können wir davon ausgehen, dass das Programm bei ihm wirkt. Mack darf meiner Ansicht nach durchaus sein Gottesbild haben. Wenn es dieses Bild ist, dann ist das völlig OK. Man sollte jedoch nicht in die Generalisierung verfallen, das Bild auf alle übertragen zu wollen.

Später noch trifft Mack auf die schöne Weisheit in Gestalt der Sophia (Alice Braga), die in einer dunklen Höhle zu hausen scheint. Von ihr bekommt Mack unter anderem die Weisheit gesagt: „Solange es in diesem Universum einen Willen gibt, dem es frei steht Gott nicht zu folgen, bahnt sich das Böse seinen Weg.“

Das schlägt dem Fass den Boden aus! Die Weisheit will doch tatsächlich behaupten, dass es das Böse gibt, das deshalb böse sei, weil es den Willen habe, Gott nicht zu folgen? Wie ist so etwas möglich? Zum einen will der Film verdeutlichen, dass man nicht urteilen soll, dann aber soll es das Böse geben? Da stimmt doch etwas nicht im Glaubenskonzept. Dieser Wiederspruch wird mit dem Film nicht aufgelöst. Wenn wir diese Weisheit genau betrachten, dürfen wir erkennen, dass hier das christliche Dogma bzw. das Verlangen nach dem Diktat der Gleichgeit die dahinter wirkende Kraft ist. „Alle Schäfchen sind gleich und lassen sich brav schären.“ Das Verlangen nach der Unterdrückung des freien Willens entspricht einem alten Herrschafts-Konzept.

Letztlich trifft Mack noch einmal auf Gott als ein indianisch-stämmiger Schamane (Graham Greene), der von Mack das Verzeihen und die Vergebung verlangt und ihm dann zeigt, wo seine Tochter liegt. Gemeinsam bringen sie den Leichnam nach Hause. Jesus hatte sich ja die ganze Zeit lang als Schreiner betätigt und einen sehr schönen Sarg gezimmert, der zwar optisch aus Holz zu sein schien, aber wie ein Sarkophag aus Ägypten wirkte. Sie bestatteten den Sarg gemeinsam inmitten eines riesigen Meeres aus Blumen.

Dann wird es dem Zuseher klar, dass das alles nur ein Traum war. Als Mack im Krankenlager aufwachte sagte man ihm, dass er vor sieben Tagen einen Autounfall hatte und nie in der Hütte angekommen sei. Es musste sich um eine heilsame Nahtoderfahrung gehandelt haben. Viele Nahtoderfahrene berichten über wundersame Begegnungen, heilsame Einsichten und über tiefgreifende Wandlungen des Wesens im Menschen. Mack musste offenbar auf eine ihm zugängliche Weise durchgeschüttelt werden, damit er in die Erkenntnis kommt.

Der Film vermittelt sehr stark den Eindruck, dass es nur auf das richtige Gottesbild, also auf das Vertrauen in Gott ankommen würde. Man müsse nur immer brav in die Kirche gehen, beten und singen. Dann würde man ein guter Mensch sein und das Glück im Leben würde sich finden. Das ist Selbstbetrug. Denn ein Gott kann nicht im Außen sein. Jeder Mensch trägt seinen Gott mit sich herum. Wenn überhaupt ist er in Dir. Und das wird am Ende des Filmes zwischen den Zeilen erkennbar, als sich das Leben der Familie scheinbar wieder wunderbar einrenkt. Mack konnte schließlich auch seinem Vater vergeben.

Dennoch war es über den ganzen Film erkennbar, dass das Ehepaar eine oberflächliche Scheinliebe geführt haben muss. Es wird kaum gelacht und mehrheitlich wird dem Zuseher das traurige Gesicht der Familie zugemutet. Nur eben die verstorbene Tochter, die befindet sich in einem Paradies. Mit dem Tod der jüngsten Tochter geht die Familie durch ein tiefes dunkles Tal der Prüfungen. Die sie sich einander scheinbar richtig tiefgründig lieben lernen lassen.

Abschließend steht die Frage im Raum: Musste erst die Jüngste sterben oder geopfert werden, damit die Familie zueinander findet? Ich denke, dass es das nicht muss, dennoch wird mir dieser Eindruck durch den Film vermittelt.

Ich denke, der Film „Die Hütte“ öffnet eher keine Tür, durch die man hindurchgehen kann, um zu Gott zu gelangen. Dieser Gott, der hier dargestellt wird hat menschliche Erwartungen. Es geht um die Deutungshoheit. Was die Menschen denken und glauben sollen ist eine Frage von Herrschaft. Der Gott in dir stellt keine Herrschaftsfragen, sondern es ist der göttliche Funke der inneren Weisheit, der in jedem Menschen ist. Wenn wir genau und in Achtsamkeit hinschauen, können wir ihn in jedem Menschen erkennen. Deshalb gehe ich davon aus, dass niemand nichts und niemandem etwas opfern muss, um die Fülle des Lebens genießen zu können.

In diesem Film wird mit dem permanenten Hinweis auf scheinbar notwendige Opfer eher eine Sackgasse dargestellt. Aber gut. Jeder darf tun, was er für richtig hält. Natürlich dürfen Menschen sich auch Sackgassen ansehen. Dort ist es sicher auch schön.

Weshalb es aber zur Selbstablehnung, vielleicht auch zu Minderwertigkeitskonflikten Mackenzies gekommen war, übersieht man fast. Am Beginn des Films wurde Mack als kleiner Junge gezeigt, der vom Vater geschlagen wurde und mit ansehen musste, wie die Mutter geschlagen wurde. Der Junge vergiftet schließlich den Vater. Dieses Unterfangen muss ein bleibendes Trauma hinterlassen haben. Er konnte sich selbst nicht vergeben und deshalb konnte er anderen Menschen auch nicht vergeben. Das bedeutet wiederum, dass wir es lernen müssen uns selbst zu betrachten, um uns selbst vergeben zu können. Die Dinge müssen durch uns selbst geklärt werden, sonst werden sie durch das Leben geklärt.

Vergebung ist kein Akt, den man mal so nebenbei erledigen kann. Der Schamane sagte zu Mack, als dieser meinte, dass der Schmerz trotz Vergebung immer noch da wäre, dass er tausendmal vergeben soll, dann würde der Schmerz weniger werden. Das bedeutet, dass Vergebung ein Prozess ist. Wie alle geistigen Prozesse braucht es solange, wie es braucht. Insofern ist Vergebung ein wichtiger Aspekt, den man nicht zum Wohle des Täters durchführt, sondern für sein eigenes Wohl. Dem Täter zu vergeben bedeutet die Anhaftung an das energiezehrende Ereignis loszulassen. Der Täter wird selbst genug mit seiner Tat zu tun haben. Macks Aufgabe besteht nicht darin, den Täter bestrafen zu müssen, sondern es zu erkennen, was seine Wahrnehmung ihm sagen möchte. Er muss es erkennen, dass es in dieser Geschichte, die er wahrgenommen hat, um ihn und nur um ihn geht.

Auch im schlimmsten Unglück ist das Gute, die Botschaft oder der göttliche Funke verborgen. Wir müssen immer versuchen ihn zu erkennen.

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